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DEAL · Due Diligence & Kaufvertrag

YouTube-Kanal kaufen: Wie erkennst du den echten Wert?

· Folge #32 mit Wahid Rahim

Du verantwortest Umsatz, Kosten und Ergebnis. Aber würdest du einen YouTube-Kanal genauso nüchtern prüfen wie einen klassischen Betrieb? Die Verpackung ist anders, die entscheidende Frage bleibt: Was kaufst du tatsächlich – belastbare Einnahmen, Zugang zu Kunden oder eine große Zahl, die auf den ersten Blick beeindruckt?

In Folge #32 des buypreneur-Podcasts spreche ich mit Wahid Rahim, dem Gründer von Mabya. Seit über zehn Jahren betreibt er einen Marktplatz für digitale Unternehmen und Assets. Unser Gespräch zeigt, was kaufen statt gründen in diesem Markt bedeuten kann. Und warum du deine Erfahrung mit Zahlen und Geschäftsmodellen mitbringen solltest, ohne digitale Besonderheiten zu unterschätzen.

Ist ein YouTube-Kanal ein Unternehmen, das ich kaufen kann?

Ja, ein YouTube-Kanal kann als digitales Asset gekauft und wirtschaftlich bewertet werden. Du kaufst dabei aber nicht automatisch eine vollständige Gesellschaft oder eine Organisation, die ohne den bisherigen Betreiber weiterläuft.

Wahid unterscheidet ausdrücklich zwischen kleinen digitalen Unternehmen und einzelnen Assets. Auf Mabya würden häufig Online-Shops und Websites angeboten, daneben SaaS-Projekte und Social-Media-Kanäle. Bei vielen Angeboten gehe es nicht um den Erwerb eines ganzen Unternehmens, sondern um einen abgrenzbaren digitalen Vermögenswert.

Für mich ist das die erste wichtige Übersetzung in deine Käuferperspektive: Ein Kanalname sagt noch nichts darüber aus, was du nach der Übergabe betreiben kannst. Interessant sind das Publikum, die Inhalte, die Einnahmen und die Frage, wie abhängig das Geschäft vom bisherigen Betreiber ist.

Wahid sieht solche Käufe auch für bestehende Unternehmen als interessant an. Wer zusätzliche Reichweite brauche, müsse sie nicht zwingend selbst aufbauen. Ein passender Kanal könne dafür eine Abkürzung sein. Meine praktische Ableitung: Kläre zuerst, ob du ein eigenständiges Geschäft suchst oder einen zusätzlichen Zugang zu deinen Kunden.

Was kostet ein YouTube-Kanal im Vergleich zu Instagram und TikTok?

Einen pauschalen Preis pro Abonnent liefert die Folge nicht. Wahid zufolge hängen die Preise unter anderem von Plattform, Thema und Reichweite ab; YouTube- und Instagram-Kanäle seien tendenziell teurer als TikTok-Kanäle.

Für die auf Mabya gehandelten Assets insgesamt nennt er überwiegend Kaufpreise unter 50.000 Euro, daneben habe es sechsstellige Deals gegeben. Das ist ausdrücklich keine Preisliste für YouTube. Bei kleineren Instagram-Kanälen nennt er beispielsweise 800 oder 1.000 Euro, bei anderen auch fünfstellige Beträge.

Den Plattformunterschied erklärt Wahid mit der Planbarkeit. Bei TikTok stehe das einzelne Video stärker für sich. Auch ohne bestehende Followerschaft könne ein gutes Video große Reichweite erreichen. Bei YouTube und Instagram habe eine vorhandene Followerschaft dagegen einen stärkeren Einfluss auf die erwartbaren Abrufe.

Digitale Assets beim Kauf auf einen Blick
ThemaKernaussage aus der FolgeWas das für dich heißt
KaufgegenstandHäufig würden einzelne Assets statt ganzer Unternehmen verkauft.Unterscheide zwischen Kanal, Geschäft und Gesellschaft.
PlattformWahid sieht Reichweite bei YouTube und Instagram als besser planbar an als bei TikTok.Vergleiche Followerzahlen nicht ohne den Plattformkontext.
BewertungWiedergabedauer, Engagement und Zuschauerherkunft seien neben der Followerzahl wichtig.Prüfe, ob das Publikum für deinen Zweck relevant ist.
EinnahmenNeben Plattformwerbung seien Kooperationen und eigene Produkte möglich.Lass dir die unterschiedlichen Einnahmequellen belegen.
PrüfungVerkäuferangaben sollten anhand von Analysedaten verifiziert werden.Verlasse dich nicht allein auf das Inserat.

Quelle: buypreneur-Podcast Folge #32

Welche Kennzahlen zählen bei der Bewertung eines YouTube-Kanals?

Die Followerzahl ist ein Einstieg, aber keine ausreichende Bewertungsgrundlage. Wahid legt besonderes Gewicht auf die durchschnittliche Wiedergabedauer und darauf, woher die Zuschauer kommen.

Er würde zunächst Abonnenten, Views und Engagement betrachten, also beispielsweise Likes und Kommentare. Allerdings könnten Abrufzahlen manipuliert werden. Deshalb sei entscheidend, ob Menschen die Inhalte tatsächlich ansehen. Bei einem zehnminütigen Video mache es einen erheblichen Unterschied, wie lange die Zuschauer im Durchschnitt dabeibleiben.

Hinzu komme die geografische Herkunft des Publikums. Gerade bei englischsprachigen Kanälen sei es relevant, ob die Zuschauer etwa in den USA oder in Indien säßen. Welche Herkunft wertvoll sei, hänge davon ab, wie der Käufer die Reichweite nutzen oder monetarisieren wolle.

Ich würde daraus keine isolierte Kennzahlenübung machen. Eine große Zuschauerzahl hilft dir wenig, wenn du diese Menschen mit deinem Angebot gar nicht erreichen möchtest. Die operative Frage lautet: Passt die nachweisbare Aufmerksamkeit zu deinem Geschäftsmodell? Genau hier lohnt sich auch der Blick darauf, wie du beim Unternehmenskauf echte Kernkompetenzen erkennst. Reichweite ist erst dann eine Stärke für dich, wenn du sie sinnvoll nutzen kannst.

Welche Einnahmen machen einen digitalen Kanal wertvoll?

Du solltest Plattformwerbung, Markenkooperationen und eigene Produkte getrennt betrachten. Wahid sieht besonders in eigenen Angeboten mit wiederkehrenden Einnahmen einen möglichen Hebel für den Unternehmenswert.

Ein Kanal könne durch eingeblendete Werbung Geld verdienen. Daneben seien direkte Kooperationen möglich, bei denen ein Creator beispielsweise ein Finanzprodukt vorstelle. Als weitere Möglichkeit beschreibt Wahid, auf der vorhandenen Reichweite ein eigenes Geschäft aufzubauen – etwa ein abonnementbasiertes digitales Produkt.

Seine Überlegung: Wenn Kunden dauerhaft blieben, müsse nicht jeder Umsatz erneut durch die Gewinnung eines neuen Kunden entstehen. Das könne den Wert des Geschäfts stärker steigern als die reine Verwertung von Aufmerksamkeit.

Für die Bewertung zählt allerdings nicht nur die Idee, sondern der Nachweis. Wahid betont, dass direkte Werbekooperationen durch Rechnungen und Belege dokumentiert werden sollten. Plattformdaten allein bildeten diese Einnahmen nicht vollständig ab.

Meine praktische Ableitung: Trenne sauber zwischen bestehendem Ertrag und deiner späteren Entwicklungsidee. Ein Kanal kann Potenzial für ein eigenes Produkt haben. Dieses Produkt ist aber noch kein nachgewiesenes Geschäft, nur weil du es nach dem Kauf gern anbieten würdest.

Was passiert beim Kauf, wenn der Kanal am bisherigen Creator hängt?

Die Bindung an eine Person kann die Übernahme erschweren und muss vor dem Kauf geklärt werden. Wahid beschreibt für themenbezogene Kanäle einen schrittweisen Übergang, bei dem der bisherige Betreiber zunächst weiter mitwirkt.

Rein persönliche Kanäle habe Mabya nach seiner Darstellung nicht verkauft. Es habe jedoch Kanäle gegeben, bei denen eine Person ein bestimmtes Thema vermittelt habe. Hier könne eine Übergangsphase helfen: Der bisherige Betreiber bleibe aktiv, beide träten zeitweise gemeinsam auf, anschließend ziehe sich die bisherige Person langsam zurück.

Das ist besonders interessant im Zusammenhang mit Wahids Einschätzung zu Finanzkanälen. Dort sieht er Vertrauen in bekannte Gesichter oder Marken als wichtigen Wettbewerbsvorteil. Genau dieser Vorteil wirft beim Kauf eine Anschlussfrage auf: Wie viel davon bleibt erhalten, wenn das vertraute Gesicht geht?

Für mich gehört die Übergabe deshalb in die Bewertung, nicht erst in die Zeit nach dem Kauf. Das ist die digitale Variante einer klassischen Nachfolgefrage: Wie löst sich ein Geschäft von seinem bisherigen Inhaber? Mehr zu dieser Perspektive findest du im Beitrag über Unternehmensnachfolge durch echtes Loslassen.

Wie prüfe ich Verkäuferangaben vor dem Kauf eines digitalen Unternehmens?

Lass dir Zugang zu den zugrunde liegenden Daten geben und gleiche die Aussagen des Verkäufers damit ab. Wahid nennt ungeprüft übernommene Angaben ausdrücklich als einen der Fehler beim Kauf digitaler Assets.

Für YouTube verweist er auf den Zugang zu YouTube Analytics, für andere Geschäftsmodelle auf entsprechende Analysewerkzeuge. Bei einer GmbH oder UG sollten Käufer außerdem BWA und Bilanzen der letzten drei Jahre anfordern. Für mich gehört die Folge deshalb im Acquisition Compass klar zur Station DEAL: Es geht darum, Annahmen vor einer verbindlichen Übernahme zu prüfen.

Zur Prüfung gehört laut Wahid auch die technische Übergabefähigkeit. Ein Kanal könne mit einem persönlichen Account verknüpft sein, was eine Übertragung erschwere. Ebenso müssten Einnahmen sauber getrennt werden, wenn ein Verkäufer mehrere Aktivitäten betreibe.

Zusätzlich beschreibt Wahid einen Käuferschutz bei Mabya. Bei absichtlich falschen Angaben könne innerhalb eines vereinbarten Prüfzeitraums ein Rücktritt möglich sein. Als Beispiele nennt er fünf oder zehn Tage. Ich würde daraus keine allgemeine Rückgabegarantie ableiten: Entscheidend sind der vereinbarte Zeitraum und die konkreten Voraussetzungen. Die eigene Prüfung ersetzt das nicht.

Sollte ich ein günstiges digitales Unternehmen mit Schwächen kaufen?

Eine Schwäche ist nicht automatisch ein Ausschlussgrund. Nach Wahids Einschätzung suchen viele Interessenten vergeblich nach einem perfekten Geschäft zu einem besonders günstigen Preis.

Sein Gegenentwurf: Suche ein Asset, das wenigstens in einer wesentlichen Dimension stark sei. Das könne ein gutes Produkt sein oder vorhandene, insbesondere organische Reichweite. Die andere Seite lasse sich möglicherweise verbessern. Wer ein gutes Produkt ohne ausreichende Reichweite übernehme, könne etwa an der Kundengewinnung arbeiten. Wer bereits ein Publikum erreiche, könne das Produktangebot weiterentwickeln.

Hier kannst du deine operative Erfahrung einbringen. Aber ich würde zwischen einer erkennbaren Verbesserungsmöglichkeit und einer bloßen Hoffnung unterscheiden. Welche konkrete Schwäche kannst du mit deinen Fähigkeiten bearbeiten? Und welche Stärke ist heute bereits belegt?

Wahid weist außerdem darauf hin, dass funktionierende Bestandsunternehmen nicht automatisch besonders schnell weiterwüchsen. Bei einem YouTube-Kanal könnten deutlich bessere Videos neue Wachstumschancen eröffnen. Bei SaaS- oder E-Commerce-Unternehmen sei eine starke Beschleunigung aus seiner Sicht schwieriger. Ein Kauf erspart dir also Aufbauarbeit, nicht die Arbeit am Geschäft.

Warum könnte bestehende Reichweite im KI-Zeitalter wertvoller werden?

Wahid erwartet, dass Distribution wichtiger wird, wenn sich digitale Produkte leichter und günstiger entwickeln lassen. Bestehender Zugang zu potenziellen Kunden könne dann ein entscheidender Vorteil sein.

Er formuliert das ausdrücklich als Einschätzung, nicht als sichere Prognose. Bei Software sieht er steigenden Wettbewerbsdruck, weil mehr Angebote entstünden. Medienunternehmen und Kanäle könnten dagegen wertvoll sein, wenn sie anderen Unternehmen dabei helfen, Kunden zu gewinnen.

Gleichzeitig hält er E-Commerce mit einem guten Produkt weiterhin für interessant. Seine Überlegung: Ein solches Angebot lasse sich nicht unbedingt so leicht durch KI ersetzen oder kopieren wie andere digitale Leistungen.

Für deine Suche würde ich daraus keine pauschale Branchenwette machen. Die nützlichere Frage ist: Was ist bei diesem konkreten Angebot schwer nachzubauen – das Produkt, die Kundenbeziehung oder der Zugang zum Publikum? Wer einen Kanal als Ergänzung zu einem bestehenden Unternehmen prüft, sollte genau diese Verbindung nachvollziehen können. Wenn du weitere Geschäftsmodelle und Käuferperspektiven vergleichen möchtest, findest du sie in unseren buypreneur-Podcastfolgen.

Timm Wienberg

Meine Einordnung & Fazit

Ich nehme aus dem Gespräch vor allem mit, dass digitale Assets dieselbe unternehmerische Ernsthaftigkeit verdienen wie ein klassischer Betrieb. Gleichzeitig darf die vertraute Sprache von Umsatz und Ergebnis nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier andere Abhängigkeiten zu prüfen sind: Plattform, Publikum, Creator und technische Übergabe. Für mich liegt der Wert nicht in einer beeindruckenden Followerzahl, sondern in nachweisbarer Aufmerksamkeit, belastbaren Einnahmen und einer realistischen Fortführung nach dem Kauf.

Mein Fazit: Ein YouTube-Kanal kann ein sinnvoller Einstieg ins Unternehmertum oder eine Ergänzung zu einem bestehenden Geschäft sein. Kaufe aber weder ungeprüfte Verkäuferangaben noch dein eigenes Wunschbild vom künftigen Wachstum. Wenn du solche Kaufideen mit anderen ernsthaften Searchern diskutieren möchtest, komm in den buypreneur Circle.

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